Forumbeiträge

Michael S.
04. Feb. 2021
In GESELLSCHAFT
(Gedanken ohne roten Faden) Diese Frage stelle ich mir seit gut einem Jahr jeden Tag. Ich erinnere mich an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" und fühle mich mittendrin. Ich wache auf, sehe auf die Uhr, checke die ersten Meldungen auf meinem Handy und kneife mich selbst in den Arm. Doch es passiert nichts. Es ist wahr, der Albtraum ist keiner, sondern bittere Realität. Es trifft mich finanziell überhaupt nicht, ich bin (noch) über den öffentlichen Dienst abgesichert. Mache ich mir trotzdem Sorgen? Ja! Wo werden wir landen? Ich habe schon immer Flugangst, aber dennoch ist zumeist beruhigender Weise der Zielflughafen klar, oder? Welches Ziel ist aber nun das unsere? Und, ist es überhaupt relevant, oder geht es nur um das Ziel anderer? Ich gehe einkaufen, ohne Maske. Das ist toll! Nur stelle ich fest das es mittlerweile keinen meiner Miteinkäufer mehr interessiert. Warum? Niemand schaut mehr in niemandes Gesicht. Erschreckend ist meiner Meinung nach noch das harmlosere Verb welches hier Verwendung üben darf. Ich bin ein starker Mensch, zumindest bilde ich mir das meistens ein. Ich halte durch, hoffe auf das Beste, hoffe auf die Wahrheit. Dennoch gibt es Phasen in denen ich mich fühle wie ein Zirkusartist im freien Fall ohne Netz. Diese Sache an sich wäre nicht so schlimm. Nur fehlt nicht nur das Netz, sondern auch der Boden. Fällt man von einem Hochhaus, so sieht man zumeist, wo es endet. Nur seit einiger Zeit ist es ein Fallen in ein dunkles Loch, das zugleich hin und wieder hell ist. Ohne absehbares Ende. Auf und Nieder immer zu. Positiv zu bewerten ist, das der Widerstand in der Bevölkerung (europaweit) unaufhaltsam wächst. Das befeuert die hellen Löcher, und schon wieder geht es aufwärts. Immer weiter immer weiter... Immer wieder die gleiche Story, immer wieder die gleichen Töne und Bilder. Irgendwann machen wir dem Murmeltier den Garaus. Davon bin ich überzeugt! Geduld ist aktuell wohl eine der wichtigsten Tugenden die man inne haben kann, gepaart mit Beharrlichkeit. Aber was mich nicht überzeugt sind Menschen, die diese Situation (genauer lockdown) befürworten, gar noch als angenehm empfinden. Deren eigene Blase die offensichtlich einzige ist, welche eine Existenzberechtigung hat. Vorauseilend der Gehorsam und erst Recht die empfundene Solidarität. Jene Solidarität die exakt nur denen gilt, die die gleiche Sicht haben. Ich frage mich immer wieder, ob diese Menschen einen Organspenderausweis besitzen. Wenn nicht... haben sie dann eine Patientenverfügung, die ihnen dann auch eine lebenswichtige Spende verwehrt? Wo ist die Ethik, wer bestimmt sie und vor allem, wo beginnt und wo endet sie? Zu Hause läuft es, wie es scheinbar soll. Mein Kind kommt relativ gut mit dem Homeschooling klar. Die Schule gibt sich Mühe. Jeden Tag Online-Unterricht von 8-13 Uhr. Mit "echten" Lehrern und scheinbar genauso "echten" Mitschülern. Alles über jene Kamera, die bis dato eh schon immer zugeklebt war, zum Schutz der Privatsphäre. Ich frage mich: "Was ist echt?" Die richtige Antwort darauf kenne ich nicht. Ich kann mich nur auf mein Empfinden verlassen. Echt ist: Anfassen, Anlächeln, in die Augen sehen, Streiten, Lachen, Kichern, Fangen spielen, Hauen, Streicheln, Ehrlich sein, Unehrlich sein, Fair sein, Unfair sein ... und wenn es darauf ankommt, auch alle Streitereien zu ignorieren, zusammen zu halten und einfach nur gegen den Lehrer zu sein. Das klingt oft nicht schön, dennoch gehören manch unschöne Dinge zum Leben,.. zum Leben davor. Auch die tollen Momente, die Nähe. Wissen Sie, was mir bei alledem am meisten zu schaffen macht? Wird es zur Normalität das wir den Gegenüber fragen ob wir ihm die Hand geben, ihm eine Umarmung zukommen lassen oder ihm auch nur 1,49m zu nahe kommen dürfen? Wird es normal bleiben, das Gefühl zu haben, dem Gegenüber im Supermarkt einen Radius von 3qm einzuräumen? Wird es normal bleiben .....
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Michael S.

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